Landwirtschaft ist etwas für Mutige
Im Juni lud das Dorf-Geflüster auf Langelohs Diele in Ellerbek ein. Dass sich diesmal ein paar Gäste weniger einfanden als sonst, war sicherlich der Fußball-EM geschuldet. Natürlich waren die Spiele auch Thema während des Essens. Gerlinde Langeloh servierte eine leckere Spargelsuppe und die korrespondierenden Weine wurden von Rindchen’s Weinkontor zur Verfügung gestellt. Astrid Gatzsch stellte den Weißwein, einen 2015 Gutedel „Aquae Villae“ aus Baden vor, der mit seiner ganz zarten Säure perfekt zu warmen Sommerabenden passt und den Rotwein, einen 2015 Lauran Cabaret Rouge Minervois. Die Cuvée aus südfranzösischen Rebsorten zeichnet sich durch einen fruchtigen Geschmack aus. Referent des Abends war Torben Langeloh, Sohn von Gerlinde und Jürgen Langeloh. Er studiert am Fachbereich Agrarwissenschaften der FH Kiel und hat zuvor eine Ausbildung zum Landwirt absolviert. Sein Ziel ist es, den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern in Ellerbek zu übernehmen. Der Titel seines Vortrags lautete „Landwirtschaft in der Krise – Ein Wirtschaftssektor am Scheideweg“. Der 24-Jährige erläuterte die Hintergründe der aktuellen Milchpreisdiskussion und berichtete von der schwierigen Lage der Landwirte. Er vermittelte eine sehr gelungene Mischung aus Zahlen und Fakten sowie Berichten aus dem landwirtschaftlichen Arbeitsalltag.
Vom Kalb zur Milchkuh
Eine Milchkuh wird im Alter von 15–18 Monaten das erste Mal besamt und bringt dann nach 285 Tagen das Kalb zur Welt. Auch Zwillingsgeburten, im Einzelfall sogar Drillinge sind möglich. Bis das Kalb zur Milchkuh wird entstehen dem Landwirt Kosten in Höhe von rund 1.800 Euro pro Tier. Eine Milchkuh wiegt 600–700 Kg und Ziel ist, dass sie rund 10.000 kg Milch im Jahr gibt. Sie wird durchschnittlich vier bis fünf Jahre alt und bringt im Laufe ihres Lebens 2–3 Kälber zur Welt.
Der Milchpreis
Der Milchpreis, den die Landwirte momentan erzielen können, liegt bei 18–20 Cent/Kg Milch, eine Besserung ist nicht in Sicht. Für die Herstellung der Milch fallen dem Landwirt diverse Kosten in den verschiedensten Bereichen an: beispielsweise Tierzukauf, Futter, Personalaufwand, Pacht und Unterhaltung. Der Landeskontrollverband Niedersachsen kommt bei seiner Vollkostenrechnung auf durchschnittlich 39,55 Cent/kg Milch, die der Landwirt investieren muss. Eine Milchmädchenrechnung also von allen, die hier momentan von Gewinnen ausgehen.
Rückgang der Betriebe
Im Jahr 2015 gab es ca. 285.500 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, rund 100.000 davon Vollerwerbsbetriebe. Für das Jahr 2017 wird ein Rückgang von 17 Prozent erwartet, wobei die familiäre Betriebsstruktur zurückgeht und die Tendenz zu Großbetrieben steigt. Dies hat auch Folgen etwa für Maschinenhersteller, die deutliche Gewinneinbußen verzeichnen. Die Gäste waren sehr interessiert an dem Thema und stellten viele Fragen, die der Referent gut verständlich beantwortete. Torben Langeloh beendete seinen interessanten Vortrag mit einem Zitat von Gerd Sonnleitner, dem ehemaligen Präsidenten des europäischen Bauernverbandes: „Landwirtschaft ist etwas für ganz Mutige, für welche, die die Herausforderung lieben, für die Starken in unserer Gesellschaft!“ aw
- Eckhard und Sibylle Grimm aus Ellerbek (lks) und Regine und Bürgermeister Günther Hildebrand aus Ellerbek (re)
- Ellen Böge, Angela Pape (KücheExclusiv) und Peter Böge
- Gerlinde Langeloh und ihr freundliches Team
- von links: die Landwirte Ilka und Thomas Witt und Jens und Tanja Krohn aus Bönningstedt
- von links: Lina und Steven Egbers (Egbers, Schwarze Petersen -Versicherungsmakler Schnelsen) und Andreas Heidorn (CDU Bönningstedt)
- Dr. Eckhard Johannes (Seniorenbeirat) und Rita Pannek (Allianz Versicherung Bönningstedt)
- Angela Pape (KücheExclusiv) und Petra Wiechers-Jahn (Rechtsanwältin und Notarin Ellerbek)
Dorfgeflüster Informationen rund um Bönningstedt, Ellerbek, Schnelsen, Hasloh, Quickborn und Rellingen.







