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Lesung: Tatorte im Schnelsener Büchereck

Die vorhandenen Sitzplätze reichten nicht aus für die Freunde realer Krimis . Die Besucher kamen zur nunmehr vierten Lesung von Prof. Dr. Klaus Püschel ins Schnelsener Büchereck und nahmen auch auf dem Fußboden Platz. Inhaber Sven Freyhofer, der die Buchhandlung im Januar 2018 von seinem Vater übernommen hatte, überlegte, demnächst ein größeres Auditorium in Schnelsen zu suchen.

Püschel, Direktor des gerichtsmedizinischen Instituts in Hamburg, stellte sein drittes Buch „Der Tod gibt keine Ruhe“, aus einer Reihe mit Fällen aus dem rechtsmedizinischen Alltag vor. Erneut hat er auch dieses Buch gemeinsam mit der Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher geschrieben.

Die spannende Lektüre rechtsmedizinischer Spurensuche handelt zum Beispiel unter dem Kapitel „Im Abseits“, vom Fall Fritz Honka. Beschrieben werden auch Fälle von überlebenden Opfern, etwa von Missbrauch oder Unfällen. Ein Kapitel widmet sich unter dem Motto „Hände weg vom Smartphone“ in gewollt doppeldeutiger Weise einem Fall, in dem eine Frau – abgelenkt vom Smartphone – auf Bahngleise fiel und ein einfahrender Zug ihr beide Hände abtrennte.

Bevor die eigentliche Lesung begann, berichtete Püschel aus dem Rechtsmediziner-Alltag. Er stellte klar: „Gerichtsmediziner sind Übersetzer für die ermittelnden Beamten! Wir stellen keine eigenen Ermittlungen an“, so Püschel. „Es gäbe kein Mitmischen bei der Polizeiarbeit, wie es Tatort-Boerne in Münster gerne macht“, denn „es gibt eine klare Arbeitsteilung.“ Püschels großes Anliegen sind vermisste Menschen: „Vermisste treiben mich um, es gibt in Deutschland mehr als 11 000 Fälle. In Hamburg sind es zirka 300“. Nach Püschels Ansicht „müssen Vermisstenfälle genauso angegangen werden wie Tötungsdelikte!“ Es stecke häufig ein Verbrechen dahinter.

Im kommenden Jahr wird Klaus Püschel seine Tätigkeit am Institut für Rechtsmedizin beenden. Er sagte: „Ich muß sehen, was man tun kann, ohne Nachfolger zu stören; vielleicht weiter Bücher schreiben.“ Auch Krimi-Stadtrundgänge sind eine Überlegung, etwa unter dem Motto „Tod an der Alster“. „Dazu könnten beispielsweise 15 Tafeln auf Verbrechen oder andere rechtmedizinisch relevante Fälle hinweisen“, so einer seiner Vorschläge. sb

                             

 

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