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Lokaltermin mit Rolf Heidenberger

(C) Dorf-Geflüster Szczesniewski, Ellerbek 2014

(C) Michelle Kossel 2014

„Ich lasse nicht so leicht locker, wenn ich mir etwas vorgenommen habe.“

Er ist der Macher von Deutschlands größter privat organisierter Benefiz-Veranstaltung. Rolf Heidenberger kümmert sich seit 1990 um das Gelingen von „Appen musiziert“. Und seine größte Freude ist nicht der Beifall des Publikums, sondern dass er mit den Spenden das Los schwerstkranker Kinder ein wenig erleichtern kann. Das Dorf-Geflüster traf Rolf Heidenberger im Ellerbeker Heinsens zum Lokaltermin.

Dorf-Geflüster: Herr Heidenberger, Ihre Benefiz-Gala „Appen musiziert“ hat bislang die sagenhafte Spendensumme in Höhe von 5,5 Millionen Euro eingespielt. 379 000 Euro waren es dieses Jahr. Sie sind schon wieder dabei, die nächste Veranstaltung zu planen. Wie viele Stunden wenden Sie eigentlich fürs Organisieren auf – und beteiligen sich weitere Helfer daran?

Rolf Heidenberger:  Nach der Aktion ist auch immer vor der Aktion. Bis etwa drei Wochen vor der Gala bin ich mit der Arbeit fast alleine, dann kommen auf einen Schlag 200 Helfer dazu. Ich schätze, dass ich ungefähr 1500 Stunden dabei bin, mal nur zwei Stunden am Tag, mal aber auch zwölf und mehr Stunden. Wenn ich sehe, dass die Freiwilligen so viel Spaß daran haben, mitzuarbeiten, dass ‚Appen musiziert‘ zu einem Erfolg wird, dann erfüllt mich das mit Freude, Genugtuung und Stolz.

Dorf-Geflüster: Was raten Sie Politikern, die das Ehrenamt stärken wollen?

Rolf Heidenberger: Ehrenamtlern geht es nicht ums Geld, sie wollen aber Dank und Anerkennung. Nichts ist selbstverständlich. Und Dank kann man auf vielerlei Weise zeigen. Eine motivierende Würdigung unseres vorbildlichen Ehrenamtes in Appen sind auch die Besuche bedeutender Politiker, wie zum Beispiel die Herren Albig, Breitner, Böge, Stegner, Landrat Stolz und Kreispräsident Tiemann. Wenn wir Reisen nach Berlin oder Straßburg angeboten bekommen, dann geben wir diese an unsere Helfer weiter. Von Vorteilen, wie kürzlich eine Einladung zu einem Rundflug, profitieren im August acht Freiwillige. Das ist der Lohn für ‚Appen musiziert‘. Eine Motivation ist aber auch die große Medienunterstützung.

Dorf-Geflüster: Es gibt viele Künstler, die sich an der Gala beteiligen. Welche Stars würden Sie im kommenden Jahr gerne auf der Appener Bühne sehen?

Rolf Heidenberger: Am liebsten Helene Fischer oder Andrea Berg. Dann wäre das 10 000-Mann-Zelt, das wir gerne aufstellen würden, sofort voll.

Dorf-Geflüster: Überzeugen Sie sich eigentlich selbst, wie die Spenden verwendet werden?

Rolf Heidenberger: Ja, das ist Ehrensache. Nicht nur der Wendepunkt e.V. in Elmshorn konnte unterstützt werden, eine erhebliche Summe ging auch in diesem Jahr wieder an die Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Kiel. Gemeinsam mit Gisela Eickmeier vom Initiativkreis für krebskranke Kinder eröffneten meine Frau und ich einen von Appen musiziert mitfinanzierten Kindergarten und besuchten Abteilungen im UKE. Wir waren tief beeindruckt von der dortigen Arbeit. Ein Besuch ist allerdings auch stets sehr bedrückend, wenn man die vielen kleinen, schwerkranken Kinder erlebt, die trotz ihrer Krebserkrankung fröhlich spielen. Was hier für kranke Kinder, deren Geschwister und Eltern geleistet wird, kann sich gar keiner vorstellen. Wir brachten ein voll beladenes Auto mit Spielsachen, die von einem Sponsor gespendet wurden, für die Kinder mit. Die Spielsachen werden nun auf die einzelnen Abteilungen verteilt.

Dorf-Geflüster: Sie engagieren sich sehr stark und selbstverständlich. Was hat Sie geprägt?

Rolf Heidenberger: Meinen Eltern war es sehr wichtig, mir zu vermitteln, dass man Menschen, die in Not sind, helfen muss. Und dass man für seinen Erfolg arbeiten muss, habe ich ebenfalls früh gelernt. Sehen Sie, meine Eltern hatten in Appen einen Edeka-Markt. Mein Vater fuhr, als ich Kind war, mit einem Milchwagen von Haus zu Haus. Ich musste nach seiner Tour stets den 500-Liter-Tank reinigen. Natürlich auch am Heiligen Abend, wenn er am späten Nachmittag heimkam. Gegen 20 Uhr waren wir mit der Arbeit fertig, gegen 21 Uhr wurde gemeinsam gegessen, und dann gab es um 22 Uhr Bescherung unter dem Tannenbaum. Das habe ich niemals vergessen. Und vielleicht lasse ich deshalb nicht so leicht locker, wenn ich mir etwas vorgenommen habe. Deshalb freue ich mich auch schon auf unser großes Jubiläumsfest ‚25 Jahre Appen musiziert‘ im Mai/Juni 2015!

Dorf-Geflüster: Vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Michelle Kossel.

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