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Altkleidersammlung: Nichts geht mehr – auch im Kreis Pinneberg

Blick hinter die Kulissen:

Die Corona-Krise hat eine Branche kollabieren lassen, die sich schon seit Jahren in der Krise befand. Das Ergebnis: Auch im Kreis Pinneberg ist es seit Wochen fast unmöglich geworden, Textilien loszuwerden. Der Altkleidermarkt in Deutschland ist komplett zusammengebrochen. Die Gründe dafür sind kompliziert und es wäre zu einfach, jetzt nur den Corona-Virus und die damit nicht mehr möglichen Exporte in afrikanische oder osteuropäische Länder dafür verantwortlich zu machen. Auch mit dem Finger auf die diversen Sammler, Sortierbetriebe, Händler und dazwischen geschalteten karitativen Vereinen und Verbände zu zeigen und zu verurteilen, dass kaum, dass es hier nichts mehr zu verdienen gibt, jegliches Engagement eingestellt wird, ist nicht richtig. Der Schlüssel sind wir selbst, jeder Einzelne von uns mit unserem Konsumverhalten und dem Glauben, mit der Altkleidersammlung der Welt etwas „Gutes zu tun“.

Jeder von uns kauft im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr und sortiert im gleichen Zeitraum knapp 20 kg an Klamotten aus. Fast 75 % also 15 kg pro Einwohner und Jahr landen in den Altkleidercontainern. Tendenz steigend! Eigentlich ist dieses Engagement beachtlich und im europäischen Vergleich sind wir in Deutschland da ganz weit vorne. Aber was nützt es, wenn diese Sammelbemühungen gerade sinnlos werden, weil man mit den riesigen Mengen an getragenen Textilien gar nichts mehr anfangen kann und große Lagerhallen damit vollgestopft sind bis in die letzte Ecke. Auch wenn die Exporte langsam wieder beginnen sollten, so bleiben die alten, eher ethischen Fragen, ob das gut und richtig ist und nicht eine eigene Textilproduktion in den jeweiligen Ländern der bessere Weg wäre.

Was kann aktuell jeder Einzelne tun?

Da sich auch in den nächsten Wochen und Monaten auf dem Alttextilmarkt keinerlei Entspannung abzeichnet, bedeutet es, Alttextilien jetzt als Restmüll zu entsorgen und sich dabei klar zu machen, dass das hier in Tornesch-Ahrenlohe in der Verbrennungsanlage landet. Selbst auf dem Recyclinghof müssen wir Alttextilien derzeit kostenpflichtig als Restabfall annehmen und anschließend verbrennen. Wem bei dieser Vorstellung nicht ganz wohl zu Mute ist und wer gleichzeitig unter dem Gesichtspunkt Umwelt- und Ressourcenschutz einen Beitrag leisten will, dem empfehlen wir folgendes:

Den jetzt aussortierten Klamottenstapel noch einmal durchschauen und überlegen, was doch noch gut zu tragen ist, ohne dabei schief angeschaut zu werden. Auch die Frage „Was können andere Menschen noch gut anziehen, die eine andere Größe, Figur oder Geschmack haben“, sollte man sich stellen und damit auch: „Was lässt sich über eine kostenlose Kleinanzeige weitergeben evtl. sogar verkaufen“? Der Kreis Pinneberg weist gerade vor dem Hintergrund, dass derzeit keine Floh- und Kleidermärkte stattfinden, auf seine nicht kommerzielle, regionale und sehr gut besuchte Internet-Gebrauchtbörse „Plietschplatz“ (www.plietschplatz.de) hin.

„Weniger ist mehr“

Der eigentliche Schlüssel liegt aber noch ganz woanders: Wir müssen auch beim Textilkauf unser Konsumverhalten auf den Prüfstand stellen. „Weniger ist mehr“, nicht jeder Trend muss mitgemacht werden, wenn modische Abwechslung gebraucht wird, der Second-Hand-Markt sollte auch hierzulande stärker genutzt werden und vor allen Dingen sollte ein klares „Nein“ formuliert werden zu dem, was heute als „Fast Fashion“ den Markt erobert. Diese Kleidungsstücke bestehen in erster Linie aus chemischen Kunstfasern, sie sind nicht sinnvoll recycelbar und als Alttextilien praktisch nicht zu vermarkten. Ganz nebenbei sind die Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern und oft auch der Schadstoffgehalt solcher Textilien zu hinterfragen. Ganz sicher sind sie aber aufgrund der steigenden Mengen und der schlechten Qualität eine der wesentlichen Ursachen für den Zusammenbruch der Altkleidermärkte! PM/ds

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