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Roter Sessel: „Gibt es etwas Schöneres, als wenn sich einer freut?“

Frank Beielstein bemalt nicht nur Steine, auch ein Skizzenbuch hat er immer dabei.

Frank Beielstein bemalt nicht nur Steine, auch ein Skizzenbuch hat er immer dabei.

Diesen kleinen „Herzstein“ fand Danuta vor Kurzem auf unserem Redaktionsbriefkasten.

Diesen kleinen „Herzstein“ fand Danuta vor Kurzem auf unserem Redaktionsbriefkasten.

Mal bunt, mal witzig, mal detailverliebt: Die Steine von Frank Beielstein sind allesamt Einzelstücke.

Mal bunt, mal witzig, mal detailverliebt: Die Steine von Frank Beielstein sind allesamt Einzelstücke.

Manch einer hat sie vielleicht schon gefunden: kleine, liebevoll bemalte Steine in allen Farben und Formen. Der Bönningstedter Frank Beielstein hat dem Dorf-Geflüster im Roten Sessel verraten, wie er dazu kam, diesem ungewöhnlichen Hobby nachzugehen, was seine Lieblingsmotive sind – und warum er glaubt, dass das Internet die Freude am Finden schmälert.

Dorf-Geflüster: Wir haben vor Kurzem einen Stein mit aufgemaltem Herzchen auf unserem Redaktionsbriefkasten gefunden. Können Sie mir verraten, welchen Hintergrund das hat?

Beielstein: Also die Idee ist mit den bemalten Steinen schon recht alt, sie kommt vermutlich aus England. Ich fand das witzig, denn ich male sowieso. Eine Freundin zeigte mir einen, den sie selbst bemalt hatte und ich fand es lustig, durch die Gegend zu gehen und bemalte Steine zu finden – ich hatte gestern selbst einen vor der Tür. Ich habe testweise ein paar bemalt, denn ich habe alle Materialien, hochdeckende Farben, Klarlacke zu Hause. Über diese Malerei habe ich dann recherchiert und bin im Internet bei Facebook auf die Seite „Elbstones“ gekommen. Es gibt da in der ganzen Republik Gruppen, die Steine bemalen. Mir gefiel „Elbstones“ natürlich, denn wir haben die Elbe ja schließlich vor der Tür. So bin ich, obwohl ich (ein) kein Social-Media-Freak bin, in die Facebookgruppe eingetreten.

Dorf-Geflüster: Und was machen Sie da?

Beielstein: ich hole mir Ideen, was die Steine angeht, Orte, an denen man sie auslegen kann. Wichtig zum Beispiel, dass man sie nicht auf die Erde legt, da sind dann Hunde und die Kinder nehmen die Steine in die Hand. Außerdem ist es wichtig, keine giftigen Farben zu verwenden, also alles ökologisch vertretbar zu halten.

Dorf-Geflüster: Das ist also der Hintergrund: Sie bemalen Steine, legen die in der Öffentlichkeit aus und Leute finden die. Steckt das etwas dahinter, eine Geschichte?

Beielstein: Nein, ich male, worauf ich gerade Lust habe. Den hier (zeigt einen Stein mit dänischer Flagge bemalt) habe ich gestern vor der Tür gefunden, von Freunden, die im Dänemarkurlaub waren. Da wusste ich natürlich gleich, woher ich den hatte. Bei meinen Motiven dürfen Leuchttürme nicht fehlen, Mandalas, aber auch aufwändigere. Grundiert, und zum Beispiel mit Sternenbildern drauf.

Dorf-Geflüster: Wie lange sitzen Sie an so einem aufwändigen Stein?

Beielstein: Locker vier Stunden dürften das schon sein. Aber man kann auch kleine Steine machen, dann geht das schneller. Ich male immer unterschiedliche Motive, Leuchttürme liebe ich aber sehr.

Dorf-Geflüster:  Gibt es da eine Hintergrundgeschichte?

Beielstein: 2014 sind meine Frau und ich hier hochgekommen, sie kam gebürtig aus Nordfriesland, von der Küste. Wir wollten nach Renteneintritt hier leben, leider wurde sie krank und ist 2015 gestorben. Wir haben auf einem Leuchtturm geheiratet und ich mag den Menschenschlag hier oben, deshalb erhalte ich mir mit den Leuchttürmen die Leidenschaft.

Dorf-Geflüster:  Man hört ja immer, wir im Norden seien so reserviert …

Beielstein (lacht): Nein, kann ich gar nicht bestätigen. Ich finde, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Ich habe von meiner Frau damals dat Platt schnacken leernt. Denn dormit kummt man hier boben lichter mit de Lüüd torecht.

Dorf-Geflüster:  Zum Menschen kennenlernen passt ja auch der Gedanke, ihnen mit den bemalten Steinen eine Freude zu machen. Ihre Steine sehen ja sehr professionell aus, kommen Sie aus der künstlerischen Ecke?

Beielstein: Hobbytechnisch ja, beruflich war ich Banker, ganz andere Ecke also. Mein Klassenlehrer war aber ein berühmter Aquarellmaler, das hat den Grundstein gelegt. Ich habe immer gemalt, gemalt, gemalt. Mit Kohle, Öl, Bleistift, habe auch Linolschnitte angefertigt.

Dorf-Geflüster:  Von Elbstones sind Sie etwas abgekommen, woran liegt das?

Beielstein: Mir gefiel, beziehungsweise gefällt, die Diskussionskultur im Internet nicht, außerdem werden die Finder der Steine unter anderem aufgefordert, Fotos von den Elbstones zu posten. Ich finde, das baut Druck auf und läuft dem eigentlichen Gedanken, dass die Steine einfach nur Freunde machen sollen ohne Hintergedanken, etwas zuwider. Natürlich freue ich mich über Rückmeldungen, aber ich muss sie nicht haben. Ich schnacke gern und freu mich, wenn ich angesprochen werde und dadurch wieder Menschen kennenlerne.

Dorf-Geflüster:  Wo legen Sie die Steine aus?

Beielstein: Hier um den Marktplatz, hinten im Neubaugebiet in Richtung Bahn, auf Elektrokästen beispielsweise. Auf Augenhöhe, lustigerweise guckt da kaum einer hin. Ich hatte einen ausgelegt, in Sichthöhe, der lag da vier Wochen, und das war ein großer Stein. Viele gucken ja nur noch aufs Handy, die Steine sollen auch dazu anregen, die Augen offenzuhalten, mal links und rechts des Weges zu gucken. Das hat auch was mit Achtsamkeit zu tun.

Dorf-Geflüster:  Dann achten sie viel auf Ihre Umgebung?

Beielstein: Ja, auf jeden Fall. Ich sauge die Eindrücke ein, fotografiere viel und verarbeite die Umgebung auch in meinen Skizzenbüchern, die ich immer dabeihabe. Ich reise auch gern, habe mir als zweites „Hobbystandbein“ ein mobiles Reisebüro aufgebaut.

Dorf-Geflüster:  Das klingt, als würden Sie grundsätzlich gern Menschen schöne Momente vermitteln …

Beielstein: Ja, vor allem sollte es ­ gerade bei den Steinen ohne Verpflichtung sein. Die Finder können sich unvermittelt freuen, ohne dass sie danach irgendwas machen müssen. Wenn ich so etwas mache, dann soll es schön sein. Gibt es etwas Schöneres, als wenn sich einer freut?

Dorf-Geflüster:  Ist ja auch ein schöner Gedanke: Mach die Augen auf, guck vor deine Nase und du findest was Schönes.

Beielstein: (lacht) Ja. Ich bin ja sehr offen für neue Kontakte und habe mir dann schon mal vorgestellt, dass ich jemanden kennenlernen, da zu Gast bin und einen von meinen Steinen im Regal finde. Das fände ich lustig, darüber dann ins Gespräch zu kommen. Ich mag auch die Idee, dass meine Steine, ohne dass jemand weiß, von wem sie sind, bei anderen Menschen einen Platz bekommen. nas

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